Freitag, 11. Mai 2012

1. Mai in Berlin - Kreuzberg

Nun bin ich schon den vierten Tag in Berlin und die Zeit vergeht wie im Flug.

 Rückblick: Dienstag, 1. Mai 2012, Vellmar, 8:30 Uhr.

 Ich stehe an der verabredeten Stelle, wo ich zu meinen Kasseler Kollegen ins Auto steige um nach Berlin zu fahren. Der Vorabend und der Morgen waren von Routine geprägt. Sechs Tage Berlin, Trolley auswählen, Kleidung und die üblichen Utensilien einpacken, zu guter Letzt noch die Unterlagen für das Meeting zusammenstellen und einpacken.

 Die Kollegen sind pünktlich wie immer, einladen, einsteigen Abfahrt. Alles Routine. Das anfängliche Gespräch über die bevorstehende Konferenz und das Wiedersehen mit unseren europäischen Partnerinnen und Partnern verstummte nach einiger Zeit.

 Wie oft bin ich diese Strecke schon gefahren, fast immer selbst am Lenkrad und in meiner Aufmerksamkeit auf die Fahrt und den meist starken Verkehr konzentriert. Und dieses Mal? Ich sitze bequem im Fond und spule in Gedanken noch einmal den Ablauf und die Inhalte der kommenden Tage ab. Für den Nachmittag hatten die Berliner Kollegen den gemeinsamen Besuch des Myfestes in Kreuzberg geplant.

Erinnerungen wurden wach. Wie kleine Mosaiksteine erwachten Bilder, Erinnerungen, Eindrücke und Gefühle. Mariannenplatz, Besetzung des Bethanien-Krankenhauses, Einrichtung des Georg-von-Rauch-Hauses, Spekulanten in Kreuzberg (wo ich geboren wurde und die ersten 19 Jahre meines Lebens verbrachte).

Da war es wieder. Das Kribbeln im Bauch, das Gefühl der ungeheuren Solidarität (die m. E. später immer mehr zu einem Schlagwort verkommen ist), das flaue Gefühl in der Magengegend, wenn die "Knüppelgarden" in Position gingen.
 Die Durchsagen der Polizei haben sich unauslöschlich in mein Gedächtnis gebrannt: "Kommen Sie den Aufforderungen der eingesetzten Polizeibeamten nach. Gehen Sie weiter, bleiben sie nicht stehen, Sie geraten sonst in den Bereich polizeilicher Maßnahmen!" Die Kniegelenke wurden weich bei den darauf folgenden Kommandos "Wasserwerfer frei! und dann "Knüppel frei!" Wir waren doch im Recht. Die Häuser standen leer. Sie wurden systematisch geräumt und standen so lange leer, bis tatsächlich die Bausubstanz nur noch den Abriss zuließ. Auf der anderen Seite gab es so viele Wohnungssuchende und viele Menschen wurden nach jahrzehntelangem Wohnen im Quartier, in gewohnter Nachbarschaft einfach "umquartiert". Fast vierzig Jahre ist das jetzt her, seit ich das letzte Mal am 1. Mai auf dem Mariannenplatz war. Damals war es eine nicht genehmigt Demo, "begleitet" von einem riesigen Polizeiaufgebot. Vor 25 Jahren berichteten die Medien erstmalig von den sogenannten Mai-Krawallen in Berlin-Kreuzberg.

 Ankunft in Berlin, Bezug des Hotelzimmers, Begrüßung der Delegationen aus Spanien, Rumänien, Ungarn und Zypern. Gemeinsame Fahrt zu den Hackschen Höfen und dann weiter nach Kreuzberg.

 Und nun war ich also wieder dort. Das Polizeiaufgebot war noch viel riesiger als damals. Ganze Straßenzüge wurden vor dem 1. Mai von Autos befreit - das gesamte Viertel wurde von Polizeikräften abgeriegelt. Am Ende der Straßen versperrten dicht stehende Polizeiautos den Weg und ließen nur einen schmalen Durchgang. Nervös und angespannt wirkende Polizisten in voller Kampfausrüstung mit Schild und Helm unter dem Arm bewachten die Zu- bzw. Ausgänge. Der gesamt öffentliche Verkehr wurde um das Viertel herum geleitet. In der Mitte des Geschehens etwa 15.000 Menschen aller Nationalitäten und Alters. Die Luft war geschwängert vom Rauch diverser Holzkohlengrills und den "Düften" von Haschisch und Alkohol, sie wurde nur zeitweilig von einem Regenschauer kurz gereinigt. Die aus hunderten von Lautsprechern abgestrahlte Musik verdichtete sich zu einem undefinierbaren Klang- oder besser Lärmteppich, der von Bässen getragen wurde die mir körperliches Unbehagen bereiteten. Einen eigenen, selbstbestimmten Weg durch die Menschenmasse zu gehen war überwiegend schier unmöglich. Eine amorphe stets wabernde Masse bestimmte durch Schieben und Nachgeben ohne erkennbares Muster meinen Weg vom Bethaniendamm zum Kottbusser Tor. Sowie sich der Stadtteil Kreuzberg baulich verändert hat (nicht unbedingt nur zu seinem Vorteil), so hat sich auch die Zusammensetzung der Bevölkerung verändert und mit ihr alles mir einst Vertraute. Bis zu meinem Wegzug aus Berlin-Kreuzberg war die Teilnahme am Mai-Fest auf dem Mariannenplatz ein MUSS. Das heutige Myfest ist nicht mehr mein Fest, obwohl sich an der Situation in Kreuzberg nicht viel geändert zu haben scheint. Damals gab es eine Verdrängung der Bewohner weil einige Spekulanten (die man namentlich kannte) dort ihren persönlichen Gewinn suchten. Heute müssen Bewohner weichen, weil zahlungskräftige Wohnraumsuchende in alte, gewachsene Quartiere drängen und damit die Mietpreise hochschrauben. Das Problem ist in den Auswirkungen fast das gleiche - nur der Umgang damit unterscheidet sich sehr. Und wenn die Antifa (die Rede war von ca. 150 Personen) heute durch das Myfest zieht, empfinde ich das in erster Linie als eine Provokation gegen die heutigen Besucher und erst in zweiter Linie als eine Willensbekundung einer breiten Bevölkerungsschicht.

In den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts waren es auch Menschen aller Nationalitäten und aller Altersgruppen. Sie demonstrierten damals mit dem Ruf "Opas, Omas, Onkel, Tanten alle gegen Spekulanten" für ihre Zukunft in ihrem Stadtteil. 

Ich habe noch nicht verstanden worum es heute geht.
Und ich weiß nicht, warum ich eine Woche brauchte um den am 4. Mai geschriebenen Entwurf nun doch in unveränderter Form zu posten.

Montag, 19. März 2012

Zahlenspiele

Es passierte gestern Abend. Ich schaute mir mal wieder die statistischen Daten zu meiner Homepage an und traute meinen Augen nicht: 1.000.269 Besucher.

Eingerichtet hatte ich die Seite unter mariowiegel.de im Herbst 2005 als ich beschloss für einen Sitz in der Gemeindevertretung der Stadt zu kandidieren, in der ich wohne. Mit Hilfe der Homepage wollte ich meinen Bekanntheitsgrad steigern und mein Schwerpunktthema für die Kommunalpolitik vorstellen.

In den sechs Monaten bis zur Wahl ergänzte ich meine Vorstellung um einige Hintergrundinformationen rund um den demografischen Wandel.
In die Gemeindevertretung wurde ich zwar nicht gewählt - aber zu meiner Homepage (die den Zusatz "Älterwerden dürfen" bekam) erhielt ich viele Reaktionen. So kam es, dass ich die Homepage nicht wie ursprünglich vorgesehen nach der Wahl wieder auflöste sondern weiter ausbaute.

Nun besteht sie seit etwas 6,5 Jahren, also etwa 78 Monate und wurde 1.000.269 mal besucht.

1.000.269 Besucher bedeuten durchschnittlich

etwa 153.887 Besucher pro Jahr
etwa 12.824 Besucher pro Monat
etwa 2.959 Besucher pro Woche
etwa 423 Besucher pro Tag

Im Vergleich dazu ist die durchschnittliche Besucherzahl dieses Blogs mit etwas 29 Besuchern pro Tag recht übersichtlich.....

Freitag, 2. März 2012

Rente oder Ehrensold? oder Ehre wem Ehre gebührt!

Wenn ich im Dezember 2015 aus der Erwerbstätigkeit, dem Berufsleben ausscheide, dann habe ich nach einer Lehre und einer Fachschulausbildung 45 Jahre und 2 Monate meines Lebens gearbeitet, davon 44 Jahre bei der Ev. Kirche (quasi im öffentlichen Dienst). Während dieser Zeit habe ich einen Anspruch bei der gesetzlichen Rentenversicherung von voraussichtlich 1.686,96 € erworben. Auf ein Jahr gerechnet ergibt das die Summe von voraussichtlich 20.243,52 Euro. Wenn ich mir während dieser Zeit etwas hätte zu Schulden kommen lassen - wie z. B. Bestechlichkeit oder Vorteilsannahme - wäre ich wohl entlassen worden. Aus solchen Gründen aus dem öffentlichen Dienst entlassen zu werden bedeutet wohl in den meisten Fällen ein Ende der Karriere.

Wenn Herr Wulff mit 53 Jahren, nach nur 20,5 Monaten Dienstzeit aus dem Amt des Bundespräsidenten ausscheidet, weil ein überwiegend selbst verschuldeter Vertrauensverlust bei der Bevölkerung ihm ein Verbleiben im Amt nicht ratsam erschien, dann soll er einen Anspruch auf einen EHRENSOLD von 199.000 Euro jährlich haben? Zuzüglich Dienstwagen mit Fahrer? Zuzüglich Büro und Mitarbeiter(n?)?

Ich fasse es nicht..........

Herr Wulff ist doch nicht zurückgetreten weil er politisch quer lag oder aus politischen Gründen nicht mehrheitsfähig gewesen ist.

Bei einem "gewöhnlichen" Mitarbeiter im öffentlichen Dienst hätte sein Verhalten wahrscheinlich zu einer verhaltensbedingten Kündigung geführt. Nun kann man einem Bundespräsidenten nicht einfach eine Kündigung schicken - im juristischen Sinne.

Aber was anderes als eine Kündigung ist es denn, wenn die Mehrheit eines Volkes seinem Präsidenten nicht mehr vertraut. Wenn sie seinen Aussagen keinen Glauben mehr schenkt. Wenn sie sich seinen Rücktritt wünscht.

All das ist doch weder inhaltlich noch begrifflich mit dem EHRENSOLD vereinbar.

Wenn ich dann noch lese und höre, dass die Verwaltung die über die Gewährung des Ehrensoldes zu befinden hat mit engen und vertrauten Wegbegleitern und Mitarbeitern von Herrn Wulff (schon aus seiner Zeit in Hannover) besetzt ist, dann steigt Wut in mir hoch.
Noch bevor die Vorwürfe, die zu dem Vertrauensverlust und damit zu seinem Rücktritt geführt haben, von der zuständigen Staatsanwaltschaft geprüft werden konnten, wurde schon in heftiger Eile die Rechtmäßigkeit des EHRENSOLDES bestätigt.

Rente oder Ehrensold? - Ich habe bisher keinem Bundespräsidenten seinen Ehrensold geneidet. Selbst die Höhe - immerhin eine Lex Adenauer - und die zusätzlichen Geldwerten Vorteile haben lediglich ein nachdenkliches Kopfschütteln bei mir bewirkt, sie alle wurden für ihre Verdienste geehrt.

Welche Verdienste hat Herr Wulff sich erworben? Reichen die bisher schon sicheren Altersversorgungen aus seinem Wirken in Niedersachsen nicht aus?

Auch ohne EHRENSOLD hat doch die Familie Wulff - im Gegensatz zu vielen Rentnern - den Sturz in die Altersarmut kaum zu befürchten.

Lieber eine ehrliche Rente als einen EHRENSOLD der so gewährt gute Chancen hat als Un-Wort des Jahres in die Geschichte einzugehen.

Für mich ein weiterer Fall für die Justiz.

Freitag, 23. Dezember 2011

Vellmar hat einen Seniorenbeirat

Die ortsansässige Zeitung berichtete am 21. Dezember 2011 unter dem Titel "Erster Seniorenbeirat der Stadt Vellmar hat die Arbeit aufgenommen - Referate und Hausbesuche geplant" über den ersten Seniorenbeirat der Stadt Vellmar, eine Brücke zur Verwaltung soll er sein, so die HNA.

Vor etwa 6 Jahren wurde der Seniorenbeirat von den Oppositionsparteien gefordert und mit den Stimmen der Mehrheitsfraktion abgelehnt. Die in der Abstimmung unterlegenen Parteien ließen aber nicht locker und so kam es tatsächlich nach vielen Schwierigkeiten zu einer Empfehlung des Sozialausschusses an die Stadtverordneten, einen Seniorenbeirat einzurichten.

Nun könnte man denken alle wären zufrieden. Weit gefehlt! Warum nicht alle zufrieden sind, verdeutlicht - unbeabsichtigter Weise - der obige Artikel. Am Anfang wird nämlich geschrieben wie der Seniorenbeirat gebildet wurde, nämlich durch Benennung durch den Magistrat - und am Ende des Artikels kann man lesen: "Die Mitglieder sind für eine Legislaturperiode gewählt." Schön wäre es gewesen, hätte eine Wahl stattgefunden. Es stimmt aber leider nicht.

Eine Interessenvertretung gewählt durch die zu Vertretenden? Das passt wohl mit dem Demokratieverständnis der Mehrheitsfraktion nicht zusammen. Da werden lieber 2 Plätze an die großen Kirchen vergeben und die restlichen 5 Mitglieder vom Magistrat nach nicht näher bekannten Kriterien benannt.

Ein Schelm, der böses dabei denkt..........

Freitag, 16. Dezember 2011

"Einkommensungleichheit in Deutschland wächst" - Neiddebatte? Verschwörungstheorien?

Ich hatte in dem Post zur OECD-Studie eher rhetorisch als ernsthaft die Frage nach der Neiddebatte gestellt. Und siehe da, genau dieser Vorwurf wurde mir auch prompt gemacht.
Liebe Leserinnen, liebe Leser - liebe Kritiker (waren nur Männer), ich habe wirklich keine Lust mehr, mich mit diesem "Totschlag-Argument" auseinanderzusetzen. Bitte lesen Sie meinen Beitrag noch einmal genau. Ich habe lediglich die veröffentlichten Zahlen der OECD-Studie wiedergegeben und habe mir dieses Mal jeden Kommentar zum Inhalt verkniffen.

Weil ich mich über etwas anderes mehr geärgert habe. Ich finde es skandalös, wenn eine Studie, die deutsche Inhalte hat, nicht in deutscher Sprache veröffentlicht und somit allen Interessierten zugänglich gemacht wird.

Auch hierzu habe ich Rückmeldungen erhalten. Ich würde "Verschwörungstheorien" anhängen lautet ein mehrfach erhobener Vorwurf. Wie ich finde ebenfalls ein "Totschlag-Argument". Was ist daran verschwörerisch wenn ich nach Gründen für eine dreisprachige Veröffentlichung unter Auslassung einer deutschen Version frage?

Sind wir wirklich schon wieder soweit, dass wir nichts mehr hinterfragen dürfen? Weil wir sonst Neider und/oder Verschwörer sind?

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Neuigkeiten aus Schilda

Die Mehrheitsfraktion in der nordhessischen Kleinstadt hat den Schock nicht richtig verdaut. Da hat doch tatsächlich der Bürgerentscheid die Pläne der Partei und des Bürgermeister jäh gestoppt.
Erklärungsnot, Selbstzweifel oder Trotz? Was mag die Partei nur getrieben haben, plötzlich die abgegebenen Ja-Stimmen ins Verhältnis zur Zahl der Wahlberechtigten zu setzen und daraus abzuleiten, das die Mehrheit den Bürgerentscheid nicht unterstützt hat?
Obelix würde jetzt sagen: "Die spinnen die ...."
Der Volksmund würde sagen: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

Vor nicht allzu langer Zeit hat sich der Bürgermeister, der genau jener Partei angehört, bei der großen Mehrheit der Bürger bedankt, die ihn in seinem Amt als Bürgermeister bestätigt haben. Die Wahlbeteiligung war damals auch nicht hoch und nach der oben angewandten Rechenmethode bestand die "große Mehrheit" aus ca. 27 % der Wahlberechtigten.

Demnach hätten ca. 73 % den gewählten Bürgermeister nicht gewollt. Beim Fußball nennt man so etwas ein kapitales Eigentor.

Wie angeschlagen muss eine Partei sein, um zu solchen Rechenspielen zu greifen anstatt einfach mal eine Niederlage einzugestehen.

Aber nach fast 60 Jahren absoluter Mehrheit und entsprechenden Abstimmungen im Parlament hat man wohl das anständige Verlieren glatt verlernt.

Man fragt sich hier mittlerweile, ob diese Partei bzw. ihre führenden Mitglieder noch lernfähig sind.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

"Einkommensungleichheit in Deutschland wächst"

so lautet der Titel einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die vor wenigen Tagen der Presse vorgestellt wurde und in fast allen Medien ihren Niederschlag fand.

Die Studie selbst war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht veröffentlicht, das geschah erst gestern - und zwar ausschließlich in englischer, französischer und portugiesischer Sprache, wie OECD und Verlag auf Anfrage mitteilten.
So bleibt als Grundlage für eine erste Auseinandersetzung nur das Material, das von der OECD vorab den Medienvertretern zur Verfügung gestellt wurde und von den Medien veröffentlicht wurde.

Das ist nicht all zu viel, aber allemal brisant.
Während sich in anderen Staaten die Einkommenskluft verringert hat, ist sie in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren größer geworden und erheblich stärker gewachsen als in den meisten Industrienationen.

Zur Veranschaulichung: Das Nettoeinkommen der 10 % Deutschen mit den höchsten Einkommen liegt bei durchschnittlich 57.300 Euro im Jahr und damit acht mal so hoch wie das Einkommen der 10 % Deutschen mit den geringsten Einkommen von durchschnittlich 7.400 Euro (ohne staatliche Transferleistungen).
Laut OECD lag das Einkommensverhältnis Anfang der neunziger Jahre noch bei sechs zu eins.

Die Gründe für diese Entwicklung sind wahrscheinlich vielfältig, aber die Entwicklung der Löhne und Gehälter dürften den größten Anteil haben. Die verfügbaren Haushaltseinkommen sind in Deutschland in den letzten zwanzig Jahren vor der Finanzkrise durchschnittlich um 0,9 % jährlich gestiegen. Aber nicht in allen Einkommensklassen gleichermaßen.

Die Gutverdiener legten im Schnitt um 1,6 % pro Jahr zu, während sich die Niedrigverdiener mit 0,1 % begnügen mussten. Lag der Zuwachs der Gutverdiener damit immer noch über der Inflationsrate, so mussten die Niedrigverdiener bereits reale Einkommensverluste hinnehmen.

Oje, höre ich da schon wieder den Vorwurf der "Neiddebatte"?

Zur Studie selbst. Die bisher vorgestellten (bzw. von den Medien veröffentlichten) Zahlen betreffen erst einmal nur zwanzig Prozent der Bevölkerung. Und wer - wie ich - zu den achtzig Prozent dazwischen gehört, scheint von der Einkommensverteilung, Einkommensentwicklung oder Einkommenskluft nicht betroffen?
Darüber geben die Vorab-Informationen der OECD keine Antwort, das bleibt der Studie selbst vorbehalten.
Die ja jetzt erschienen ist!
In Englisch, Französisch und Portugiesisch!
Warum nicht in Deutsch? Sollen wir die Studie nicht lesen können?

Wer schon einmal versucht hat, eine wissenschaftliche Studie in seiner eigenen Muttersprache zu lesen und zu verstehen, der hat vielleicht eine Vorstellung davon was es bedeutet, dieses in einer Fremdsprache zu tun. Selbst sehr gute Kenntnisse der Umgangssprache werden dafür nicht ausreichen.

Wir "Normalverbraucher" werden wohl auf die Brocken angewiesen sein, die man uns gnädig hinwirft - für mich ein eindeutiger Akt der Des-Information.

Quellen: Heute-Journal am 5. Dezember, Hessisch Niedersächsische Allgemeine (HNA) Printausgabe vom 6. Dezember, Zeit online, FAZ, Stern.de, Focus online