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Donnerstag, 13. Juni 2013

Kündigt sich eine neue Flutwelle an?

In den frühen Morgenstunden des 11.06.2013 begann es mit einer Meldung bei Bild.de.
Kurze Zeit später hatte die FAZ.net die Meldung bereits aufgegriffen. Am Mittag war es Thema bei "HEUTE" und am 12.06.2013 in diversen Regionalzeitungen und am Abend bei "PLUSMINUS".

Was? Die völlig neue und überraschende Gefahr einer neuen Altersarmut.

Nun, die Quelle scheint noch nicht so genau bekannt zu sein. Da ist mal die Rede von einer "Jahresstatistik", mal von einem "Jahresbericht" und sogar von einer "Studie" der Rentenversicherung. Glaubt man einem bestimmten Medium, so handelt es sich sogar um eine "Tabelle des Schreckens".

Es wird bereits heftig kommentiert und diskutiert - schließlich war fast jede zweite (48,21 Prozent lt. Bild) Rente im Jahr 2012 niedriger als die Leistung nach Hartz IV. Und bei den Neurenten in 2012 lagen bereits mehr als die Hälfte (54,85 Prozent) darunter.

Der eine Kommentator findet es nicht so beunruhigend, weil ja "nur" 2 Prozent der Rentner wirklich arm seien, die anderen hätten ja Partner mit höheren Renten.

Der andere verweist in diesem Zusammenhang auf die Möglichkeit von Minijobs, welche ja auch schon von hunderttausenden Rentnern genutzt würde.

Und ein dritter stellt "an dieser Stelle einfach mal fest, dass andere Menschen z. Z. existentiell" gefährdet seien" (s. Hochwasseropfer).

Übrigens blieb die Frage nach der Ursache / den Ursachen in fast allen Kommentaren ungestellt.

Ich habe am Dienstag, 11.06.2012 schriftliche Anfragen an zwei Zeitungen, eine Presseagentur, zwei Internet-Redaktionen und die Deutsche Rentenversicherung verschickt, mit der Bitte um eine genaue, überprüfbare Quellenangabe.

Bis heute, also ca. 50 Stunden später, habe ich noch keine einzige Antwort erhalten.

NACHTRAG:
Um ca. 15:30 Uhr habe ich heute (13.06.2013) eine Antwort von der Deutschen Rentenversicherung erhalten:
Die ursächlichen Tabellen sind auf der Homepage der RV unter "Fachpublikationen" veröffentlicht, gehören zur "Statistik zum Rentenbestand am 31.12.12 und Rentenzugang 2012".

Dienstag, 12. März 2013

Armutsbericht

Die Bundesrepublik Deutschland, nach wie vor eines der reichsten Länder dieser Erde, diskutiert mal wieder über den neuen Armutsbericht, der - wie gewohnt - mehr verhüllt als aufdeckt.
Die Bundesrepublik? Na ja, da ist wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens. Obwohl der Bericht sogar den Einzug in die "Heuteshow" geschafft hat, hält sich die Zahl der Diskutanten wohl doch eher in engen Grenzen.

Warum versuchen die jeweils verantwortlichen Politiker eigentlich immer wieder die Situation der armen  Menschen in unserem Land schön zu reden, bzw. deren Lebenssituation in dem Bericht so zu "um"-schreiben, dass normale Sterbliche ihn nicht verstehen können?

Fragen und Forderungen nach einer gerechten Verteilung werden bei uns häufig mit dem Tot-schlag-argument der "Neiddebatte" abgewehrt. "Den Rentnern geht es so gut wie nie zuvor", "Bei uns gibt es doch gar keine richtige Armut", "Wer arbeiten will, der findet auch etwas" und ähnlich dumme Sprüche und Verallgemeinerungen sind in unserer Gesellschaft immer wieder zu hören und zu lesen, wenn es um die stetig größer werdende Öffnung der Schere zwischen arm und reich geht.

Es ist nun mal Fakt, dass ein kleiner Prozentsatz der Bundesbürger über den Großteil des Vermögens verfügt, die so genannte Mittelschicht kleiner wird (überwiegend durch Abstieg nach unten) und die Zahl der Menschen, die in der Nähe oder bereits unterhalb der Armutsgrenze lebt in unserem Land weiter wächst.

Das klingt alles so abgehoben, theoretisch und weit weg. Aber gehen Sie doch mal zu einer der zahlreichen "Tafeln", die mittlerweile nicht mehr nur in den Großstädten unserer Republik zu finden sind. Sprechen Sie mit den ehrenamtlich Mitarbeitenden und lassen Sie sich von den Menschen und ihren Schicksalen erzählen, die ohne die Existenz der Tafeln oft nicht genug zu essen haben (in einer Gesellschaft, die einen Großteil ihrer Lebensmittel wegwirft).

Ich habe auf meiner Homepage einen der relativ seltenen Zeitungsartikel eingestellt, der über die Arbeit der Tafel berichtet. In dem Artikel wird die Kasseler Tafel vorgestellt, die täglich zwischen 100 und 130 Menschen mit Lebensmitteln versorgt. Jede/r Inhaber/in eines Berechtigungsscheins kann alle 14 Tage zum "Einkaufen" zur Tafel kommen. Ein lesenswerter Artikel, der einen ersten Einblick in das Thema gibt.

Neben den "offensichtlich" Armen, deren Zahl in den offiziellen Berichten ohnehin oft zu niedrig angegeben wird, gibt es aber noch eine große Zahl von älteren Menschen, deren Rente deutlich unter der gesetzlichen Grundsicherung liegt, die nicht erfasst sind. Es handelt sich überwiegend um Frauen, die - nach eigener Aussage - nie und nimmer zum Sozialamt gehen würden um die Grundsicherung zu beantragen.

Und gehören die vielen Menschen, die trotz einer Vollzeit-Arbeitsstelle "ergänzende Leistungen" in Anspruch nehmen müssen nicht auch zu den "Armen"?

Armut hat in unserem Land viele Gesichter - die Armutsberichte helfen hingegen in erster Linie die Gesichter der Politiker zu wahren..........

Lesenswert hierzu: Spiegel , Spiegel, FAZ, Süddeutsche,

Sonntag, 3. Juli 2011

Sigmar Gabriel fordert Sockelrente gegen Altersarmut

Die heutige Grundsicherung (rund 750 Euro) bezeichnet Gabriel als Hartz IV im Alter.
Über Kosten und Finanzierung der Sockelrente soll das zu erarbeitende Steuerkonzept im Herbst Auskunft geben.
Steuern rauf (für Spitzenverdiener) und Sozialabgaben runter - wir dürfen gespannt sein, wie das gehen soll.
Vielleicht ist es es aber auch der Einstieg in die Diskussion um die "Einheitsrente", die durch private Vorsorge dann individuell ausgebaut werden kann? Zumindest theoretisch?

Die Themen Altersversorgung, Altersvorsorge, Renten und Altersarmut scheinen wichtige Themen für die nächste Bundestagswahl zu werden.

Daher: AUFPASSEN, INFORMIEREN und EINMISCHEN

Samstag, 28. Mai 2011

Altersarmut - Viel Lärm um NICHTS?

Das Thema Altersarmut geht uns alle an - und doch wissen die meisten Menschen viel zu wenig darüber.
Die Grundsicherung ist der Mindestbetrag den jemand erhält dessen Rente niedrig ist.
Der Grundsicherungsbetrag liegt derzeit bei 684 Euro monatlich.
Um eine Rente zu erhalten, die in Höhe der Grundsicherung liegt, muss ein Arbeitnehmer 29 Entgeltpunkte erreichen. Dies ist gegeben, wenn sie oder er 45 Jahre in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis war, mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 Stunden und einem Stundenlohn von 10 Euro.
Beim gegenwärtigen Lohnniveau wird wohl jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte im Alter nicht mehr als den Grundsicherungsbetrag erhalten.
Zur Verdeutlichung sei hier die Lohnuntergrenze in der Zeitarbeit genannt: Der Mindestlohn beträgt 6,89 € in den "neuen Bundesländern" und 7,79 € in den alten Bundesländern.
Schon damit ist der Anspruch auf eine reguläre Rente (ohne zusätzliche Transferleistungen) nicht zu erreichen.
Der nächste Schock trifft dann die Rentner. Die jährliche Rentenerhöhung richtet sich NICHT allein nach den Tarifabschlüssen, die wir immer so gern betrachten, sondern nach dem MITTELWERT der Einkommenssteigerung. Das bedeutet, der Niedriglohnsektor schlägt bei den jährlichen Rentenanpassungen noch einmal zu.

Na, kein Thema für uns? Nur das Problem einer Randgruppe (Rentner)? Diese "Randgruppe" macht heute schon einen Anteil von etwas 20 bis 25 % unserer Gesamtbevölkerung aus, Tendenz steigend.

Und wenn Sie nicht gerade zu den Anteilseignern der 4,933 Billionen Privatvermögen gehören, dann betrifft es auch Sie schon heute oder spätestens beim Eintritt in den Ruhestand.

Sonntag, 15. Mai 2011

"Altersarmut vs. Kinderarmut" - oder "Die falsche Statistik"

Seit ungefähr 10 Jahren reichen die Rentenerhöhungen nicht mehr aus um die Inflationsraten auszugleichen. Die Hinweise der Sozialverbände auf eine sich bereits ausbreitende und zunehmende verschärfende Altersarmut wurden von der Politik mit den aktuellen hohen Zahlen von Kindern und Jugendlichen unterhalb der Armutsgrenze gekontert - immerhin 16,3 Prozent.

Alt gegen Jung - alles wie gehabt. Wer will schon den Kindern und Jugendlichen die Zukunft nehmen? Als ob die Alten dieses Problem lösen könnten.
Kein Wort über diese Schande an sich. In einem der nach wie vor reichsten Länder der Welt 16,3 % der Kinder und Jugendlichen von Armut betroffen. Un-vorstellbar! Un-hinterfragt! Aber sofort als Munition gegenüber den gierigen Alten benutzt.
"Ich weiß ja nicht, ob Sie's schon wissen," aber den Alten geht es so gut wie keiner Generation vor ihnen. Basta!

Gestern berichteten einige Medien über einen Rechenfehler des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Das DIW, ein selbständiger Verein, der vorwiegend mit öffentlichen Mitteln finanziert wird, hatte die Zahlen der Kinder- und Jugendarmut ermittelt. Bei der Berechnung der von Armut betroffenen Kinder und Jugendlichen ist ein Fehler unterlaufen, der nun korrigiert wurde.
Statt der bisher genannten 16,3 Prozent sind es "nur" 10 Prozent. Mir fehlen die Worte für eine solche Panne.

Aber ich bin nun sehr gespannt, welche Wirkungen die Korrektur der Zahl nach sich ziehen. Es wird schon etwas Verbal-Akrobatik nötig sein, um den nahe liegenden Umkehrschluss "weniger Kinderarmut - höhere Renten" zu vermeiden.

Aber für Kehrwenden und Schadenbegrenzungen gibt es viele Beispiele. Wie wäre es denn mit: "Was kümmert mich mein (dummes) Geschwätz von gestern." (Konrad Adenauer, 1. Bundeskanzler der BRD)

Samstag, 12. Februar 2011

Altersarmut kommt schneller und heftiger als erwartet

In den letzten Monaten häuften sich die Stimmen von unabhängigen Wissenschaftlern zum Thema "neue Altersarmut" in den einschlägigen Publikationen aber auch in den häufiger werdenden Beiträgen in Politmagazinen. Sie alle warnen vor einer neuen Altersarmut.

Nicht neu sind die drei Gründe die immer wieder dafür genannt werden:
1. Gebrochene Erwerbsbiografien mit vielen Unterbrechungen
2. Bedenklich steigende Zunahme der Zahl von Arbeitnehmern im Niedriglohnsektor
3. Rentenreformen, deren Inhalt darin bestand, die Rentenansprüche zu senken

Neu hingegen sind Berechnungen, die eine höhere (als bisher angenommene) Zahl von älteren Menschen unterhalb der Armutsgrenze belegen.
Neu ist weiterhin der erwartete Zeitpunkt, der nicht mehr wie bisher berechnet erst in einigen Jahren bis Jahrzehnten gesehen wurde, sondern sehr bald eintreten wird.

Neu - und alarmierend - ist auch die Sprache der Wissenschaftler. Entgegen der bisher üblichen ruhig-nüchternen Distanz in der Darstellung von Zahlen, Statistiken und Tabellen die selten ein Wertung enthielt, häufen sich aktuell Begriffe wie "bedenkliche", "skandalöse", "dramatische Entwicklung" und sogar "explosionsartige Entwicklung" (letztere aus einem Beitrag von Panorama am 10.02.2011: http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=6450320).

Ob es etwas bewirken wird? Kaum, so fürchte ich.....

Sonntag, 17. Oktober 2010

Neue Altersarmut ist vorprogrammiert

Es ist wahrlich eine Kunst, der Umgang mit Zahlen und Statistiken. Den neuesten Beleg dafür erbrachte die Bundesagentur für Arbeit mit ihrem letzten Monatsbericht (September 2010). Dort wird auf Hochglanzpapier, auf vielen Seiten, reichlich bebildert eine positiver Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt gestellt.
In Berlin verkündet Frau Dr. Merkel - ungeachtet der getätigten Milliardengeschenke - den "unbedingten Willen zum nachhaltigen Sparen".
Bravo, mag da mancher denken und applaudieren. Andere werden noch einmal auf den Anfang des Posts schauen und nach den Zusammenhängen suchen.
Während sich alle in ihren angekündigten Sparvorhaben und bereits umgesetzten Kürzungen im Sozialhaushalt sonnen, kann man aus dem o. g. Monatsbericht gar schreckliches herauslesen.

Am 30. September 2010 zählte die Agentur 40,47 Millionen Beschäftigte in der Republik.
An anderer Stelle ist die Rede von 27,67 Menschen in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen. Die Zahl der Arbeitslosen liegt "nur noch" bei knapp über drei Millionen.
Ja - und wer sind die anderen 10 Millionen? Gering Verdienende (lt. Bericht 5,61 Millionen), Menschen in "arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen" (lt. Bericht immerhin 1,43 Millionen) und ...?(1)

Ich verstehe diesen Zahlendschungel so, dass 13 Millionen Menschen, davon ca. 10 Millionen BESCHÄFTIGTE in unserem Land keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen und das auch niemand sonst es für sie übernimmt.

Das bedeutet: 13 Millionen Menschen, die voraussichtlich nur eine kleine Rente erhalten werden. 13 Millionen Menschen, für die die Kommunen und ihre örtlichen Sozialämter die Renten gegebenenfalls aus ihren hoch verschuldeten Haushalten bis zur Höhe der Grundsicherung aufbessern müssen.

Die Bundesregierung verteilt freizügig Geld an Banken, Energiekonzerne etc. und gleichzeitig belastet sie wissentlich die bereits überstrapazierten Sozialhaushalte der Kommunen.

"Der Landkreis Kassel hat im vergangenen Jahr sieben Millionen Euro an Grundsicherung gezahlt, davon 5 Millionen Euro an 1004 Menschen über 65 Jahre. Deren Zahl hat im Vergleich zum Vorjahr um 300 Menschen zugenommen."(2)

Die neue Altersarmut ist weder ein "Schreckgespenst" noch eine Gefahr der nächsten Jahre - sie ist bereits mitten unter uns.

Quellen:
(1) Monatsbericht der Bundesagentur (BA) für Arbeit, September 2010
(2) Hessisch Niedersächsische Allgemeine (HNA), Ausgabe Kassel, Nr. 237 vom 12. Oktober 2010, S. 1

Samstag, 27. Februar 2010

Ein Hoch auf das bürgerschaftliche Engagement

Die Bundesregierung wird nicht müde bei diesem Thema, eine Initiative jagt die nächste.
Leider zeigen sie oft nicht unbedingt die gewünschte Wirkung. Und von Nachhaltigkeit kann man auch nicht allzu oft reden.

Woran liegt das? Vielleicht muss doch mit etwas mehr Sorgfalt auf die Ausgangssituation und die Rahmenbedingungen geblickt werden.

Sind wir wirklich ein Land mit lauter "Ehrenamtlichen", "freiwillig Engagierten" und "bürgerschaftlich Interessierten"?

Oder wird vielleicht bei der Erhebung der Zahlen wohlwollend - weil politisch gewünscht - übersehen, dass viele Menschen sich gar nicht engagieren und andere - weitaus weniger - sich gleich mehrfach engagieren?

Wird vielleicht mit Hilfe der Statistik auch übersehen, dass die Zahl der Menschen am Rande oder bereits unter der Armutsgrenze mehr Interesse an einer bezahlten Tätigkeit haben als an einem unbezahlten freiwilligen Engagement?

"Erst kommt das Fressen - dann die Moral" (Drei-Groschen-Oper). Etwas mehr Tiefgang bei der Analyse der gesellschaftlichen Gegenwart stünde den dafür gut bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den einschlägigen Ministerien gut zu Gesicht.

Aber was sind schon solche Gedanken und Bedenken gegen die auf Hochglanzpapier verbreiteten Modellprojekte der Bundesregierung.

Mittwoch, 23. September 2009

Rente reicht nicht mehr -

Immer mehr Menschen in Kassel sind im Alter auf Sozialhilfe angewiesen.

So lautete der Aufmacher am Dienstag, 22. September auf Seite 1 der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen (HNA). Demnach ist laut Auskunft des Sozialamtes der Stadt Kassel die Zahl der Grundsicherungsempfänger in Kassel von 2006 bis Ende 2008 von 3177 auf 3471 gewachsen, das ist eine Steigerung von über 9 %.
Das durchschnittliche monatliche Rentenniveau liegt in Kassel derzeit bei 813 €.
Übrigens kein Problem nur von Kassel, die Durchschnittsrente liegt in Braunschweig bei 869 €, in Chemnitz bei 975 € und in Darmstadt bei 859 €. (Quelle: con_sens, DRV-Bund).
Laut Sozialamt wird sich das Problem in Zukunft weiter verschärfen: Wer lange Arbeitslosengeld II bezieht, erwirbt nur geringe Rentenansprüche. Und die Zahl der Mini-, 1 €- und anderer Jobs, deren Bezahlungen nicht zur Deckung des Lebensunterhaltes reichen, steigen.
Eine ausreichende Altersvorsorge ist damit jedenfalls nicht möglich.


Dienstag, 16. Juni 2009

Tafeln rechnen mit mehr Bedürftigen

"Göttingen. Die Zahl der Menschen, die auf Lebensmittel der gemeinnützigen Tafeln angewiesen sind, wird aufgrund der Wirtschaftskrise spätestens 2010 überproportional steigen.

Zu dieser Einschätzung kamen die Vertreter von rund 850 Tafeln zum Abschluss ihres Bundestreffens am Wochenende in Göttingen. Drei Tage lang hatten die freiwilligen Helfer in der südniedersächsischen Universitätsstadt ihre Erfahrungen ausgetauscht.

Angesichts der wachsenden Nachfrage gelte es, weiterhin Unterstützer der Tafel-Idee zu finden, sagte Verbandsvorsitzender Gerd Häuser (Quedlinburg). Im Blick hat der Verband dabei vor allem Unternehmen der Lebensmittel- und der Logistikbranche sowie der energiewirtschaft. Ohne Spenden könnten die Tafeln nicht existieren."

Der Text wurde übernommen aus der HNA (Hessische Allgemeine) Nr. 136, vom 16. Juni 2009
Die Hervorhebung wurde von mir vorgenommen.

Mittwoch, 10. Juni 2009

Sozialverbände fordern Bekämpfung der Altersarmut

Nun haben sich also endlich die beiden großen Sozialverbände VdK und SoVD gemeinsam zu Wort gemeldet.
Anlässlich des 9. Seniorentags vom 8. bis 10. Juni in Leipzig gab es sowohl von der Präsidentin des VdK, Ulrike Mascher wie auch vom Präsidenten des SoVD, Adolf Bauer klare Worte und Forderungen in Richtung Bundesregierung.

"Die Altersicherung müsse bei Erwerbsunfähigkeit, Niedriglohnarbeit und Arbeitslosigkeit ausgebaut werden", so Ulrike Mascher. Weiterhin fordert der VdK die Abschaffung der Rentenabschläge für Rentner, die wegen Krankheit nicht bis zum 65. bzw. demnächst 67. Lebensjahr arbeiten können.

Adolf Bauer erklärte, die Zahld er hilfebedürftigen Renter sei seit Einführung der Grundsicherung vor sechs Jahren um 70 % gestiegen. Er nannte es "unverantwortlich", die Gefahr steigender Altersarmut mit dem Hinweis auf die goldene Rentnergeneration abzutun.

Es gebe "klare Anzeichen, dass die Altersarmut in den nächsten Jahren rasant steigen wird", so Bauer in Leipzig.

Als wesentliche Ursachen dafür benannte Bauer die faktischen Rentenkürzungen der vergangenen Jahre (vgl. hierzu "Versteckte Rentenkürzungen"), die langfristige Absenkung des Rentniveaus (vgl. hierzu "Wie hoch sind die Durchschnittsrenten in der BRD") und die zunehmend lückenhaften Erwerbsbiografien (vgl. hierzu "Goldenes Rentenalter").

Vielleicht ist der alle 3 Jahre von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) organisierte Seniorentag der richtige Ort um auf die Misere aufmerksam zu machen - aber ob es etwas bewirkt?

Montag, 25. Mai 2009

"Kriminalität im Alter"

"Entsprechend der demographischen Entwicklung wird es künftig auch mehr straffällige Senioren geben. In den letzten Jahren ist ein stetiger Anstieg der Kriminalität der über 60-Jährigen zu verzeichnen. 2004 zählte die Polizei fast 150.000 Tatverdächtige ab 60 Jahre. Die Senioren nehmen in der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik des Jahres 2004 6,4 Prozent der gesamten Tatverdächtigen ein. In den letzten 10 Jahren die die Zahl der über 60-Jährigen delinquenten Senioren um fast 50 Prozent gestiegen. Die meisten von Seniorgen begangenen Straftaten sind Diebstähle. Die zunehmende Armut könnte immer mehr alte Menschen dazu zwingen, mittels Straftaten ihre Existenz zu sichern."

Quelle: ZDF-Pressemappe zur Doku-Fiction "2030 - Aufstand der Alten", vom 4. Dez. 2006, zusammengestellt von Birgit Schuler, ZDF Redaktion Zeitgeschehen

Nachtrag: Da mir die Quellen des ZDF für diese Zahlen nicht bekannt sind, habe ich heute mehrere, längere Telefonate mit dem Statistischen Bundesamt geführt. Ein fertige Statistik über Eigentumsdelikte von über 60-Jährigen gibt es nicht als Zeitreihe - warum eigentlich nicht? Ich werde vom Statistischen Bundesamt allerdings Zahlenrohmaterial erhalten, aus der sich eine Zeitreihe erstellen lässt. Dieses Material werde ich bearbeiten und die Zahlen hier demnächst nachreichen.

Sonntag, 24. Mai 2009

"Armut im Alter"

"Rentenexperte und Sozialforscher Professor Meinhard Miegel vom Bonner Institut für Wirtschaft und Gesellschaft geht davon aus, dass immer mehr Menschen in Deutschland von Armut betroffen sein werden. In einem "Frontal-21"-Bericht im März 2006 warnte er davor, dass der Kreis derer, die sehr geringe Rentenansprüche erworben haben, deutlich wachse.

Bereits heute lebe ungefähr eine Drittel der Rentner, also fast 7 Millionen, unter dem Sozialhilfeniveau. Besonders Langzeitarbeitslose und unstetig Beschäftigte würden Gefahr laufen, im Alter zu verarmen. Er befürchte sogar, dass in 25 Jahren jeder zweite Rentner nur noch eine Rente in Höhe von Hartz IV bekommen wird.

Alte Menschen sind stärker suizidgefährdet. Armin Schmidtke, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Suizidprävention (DGS), bestätigt, dass jede zweite zweite Frau, die sich das Leben nimmt über 60 Jahre alt ist.

Das spiegelt seiner Meinung nach den Umgang der Gesellschaft mit alten Menschen wider. Statusverlust und Geldprobleme zählen zu den Ursachen. Depressionen im Alter werden oft nicht bemerkt."

Quelle: ZDF-Pressemappe zur Doku-Fiction "2030 - Aufstand der Alten", vom 4. Dez. 2006, zusammengestellt von Birgit Schuler, ZDF Redaktion Zeitgeschehen

Samstag, 16. Mai 2009

Der Altersruhesitz im sonnigen Süden - Ein Traum?

Es gibt die einen, die im Alter auswandern, weil ihnen ihre Altersbezüge und Rücklagen für ein Leben in Deutschland nicht ausreichend erscheinen und sie sich von der Altersarmut bedroht sehen.

Aber nicht jeder, der im Alter aus Deutschland auswandert oder sich einen 2. Wohnsitz im Ausland zulegt, tut es aus finanzieller Not.

Von den über 20 Millionen Rentnern gibt es auch einige Tausend, die sich damit einen Traum erfüllen und es sich leisten können.

Mittlerweile gibt es ja sogar Einrichtungen von deutschen Wohlfahrtsverbänden im Ausland. Ein erster Bericht, kurz nach der Eröffnung einer Seniorenresidenz auf Mallorca klang einigermaßen verlockend.

Selbst der WDR berichtete darüber - aber auch über die vielen Deutschen, deren Traum nicht Erfüllung ging.

Donnerstag, 14. Mai 2009

"Immer mehr Deutsche sind bereit auszuwandern."

Unter dieser Überschrift fand ich unter dem 12.5.2009 folgenden Text bei T-online.de:

"Die Angst vor Altersarmut lässt bei den Deutschen die Bereitschaft zum Auswandern wachsen. Bei einer Allensbach-Umfrage für die Postbank gaben 23 Prozent der der jungen Berufstätigen bis 29 Jahre an, sie würden in eine Land mit niedrigeren Lebenshaltungskosten auswandern, wenn die finanzielle Absicherung für den Altersruhestand in Deutschland nicht ausreiche. Der höchste Wert wird in Bayern erreicht, wo 26 Prozent aller Berufstätigen diese Absicht äußerten, ein Jahr zuvor waren es nur knapp 18 Prozent."

Na, Herr Sarrazin, ob das die Lösung vor ohnehin rückläufigen Bevölkerungszahlen ist? Wer soll denn dann die horrenden Kosten für den Rückbau z. B. der Kanalisation tragen.

Am Ende dann etwa doch Vorstandsmitglieder, Manager oder die Erben von Millionenbeträgen? Das kann ja noch spannend werden - oder?

Mittwoch, 13. Mai 2009

"OECD: Steuerlast in Deutschland besonders ungerecht verteilt"

So titelt die ZEIT online am 12.05.2009 und schreibt weiter:

"Deutschland nimmt von denen am meisten, die am wenigsten haben: In einer Studie kritisiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dass der Staat wie kaum ein anderes Industrieland bei den Gering- und Normalverdienern zulangt."

Und weiter: "Die OECD fordert seit längerem die Bundesregierung auf, Gering- und Durchschnittsverdiener mehr zu entlasten. Von den Maßnahmen in den vergangenen Jahren hätten vor allem Gutverdiener profitiert."


In den Heute-Nachrichten des ZDF wurde gestern ebenfalls aus dieser Studie zitiert und auf der Webpage des ZDF wird ausgeführt:

"Deutsche Geringverdiener zahlen besonders hohe Abgaben. OECD-Studie: Belastung nur in Belgien höher.
Geringer Verdienst, starke Belastung: Deutsche Geringverdiener werden laut einer Studie mit Sozialabgaben und Steuern so stark belastet wie in kaum einem anderen Industriestaat. Alleinstehende mussten knapp 50 Prozent der Arbeitskosten abführen."


Diese Ergebnisse korrespondieren direkt mit dem vom DIW konstatierten steigenden Risiko der Altersarmut und den erschreckenden Zahlen der Kinder, die jetzt schon unterhalb der Armutsgrenze leben. Sollen doch schließlich auch die Geringverdiener die sogenannte dritte Säule der Altersversorgung selbst finanzieren und für die Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder aufkommen.

Dienstag, 12. Mai 2009

Nachtrag zur "Polemik pur" vom 8. Mai 2009

Zu diesem Beitrag erhielt ich einige Mails mit der Bitte, neben der Polemik auch Fakten zu präsentieren. Bitte, das ist kein Problem, ich beziehe mich im Folgenden auf die Ergebnisse des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) in Berlin, veröffentlicht im "Wochenbericht Nr. 4/2009, 76. Jahrgang, 21. Januar 2009.

Demnach betrug das Nettovermögen in der BRD, nach Abzug von Hypotheken und Konsumentenkrediten, etwa 6,6 Billionen Euro (6.600.000.000.000). Das bedeutet für jeden Erwachsenen ein individuelles Vermögen von 88.000 Euro - im rechnerischen Mittel. Wenn man die Bevölkerung jedoch nach der Höhe des tatsächlichen Vermögens teilt, so ergibt sich ein Median (Scheitelpunkt) bei 15.000 Euro - d. h. es gibt genau so viele Erwachsene, die weniger als 15.000 Euro an individuellem Vermögen haben, wie Erwachsene, die mehr haben. Also verfügt eine Mehrheit der deutschen Erwachsenen über diese 15.000 Euro oder weniger und eine Minderheit verfügt über deutlich mehr.

10 % der Bevölkerung (also ca. 8 Millionen) verfügen über 60 % des Vermögens (also 3,96 Billionen), während gerade mal 1 % der Bevölkerung (also 800.000 Menschen) über 25 % des Vermögens (also 1,65 Billionen oder in Zahlen 1.650.000.000.000 Euro) verfügen.

In dem Bericht wird nachdrücklich auf das steigende Risiko der Altersarmut hingewiesen.

Noch Fragen? Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion, dann haben alle Leser etwas davon.

Freitag, 8. Mai 2009

Polemik pur - muss einfach mal sein ...

Wenn es in einem der reichsten Industrieländer der Welt (dazu gehört die BRD nämlich) sowohl Kinderarmut als auch wieder zunehmende Altersarmut gibt - dann ist das im höchsten Maße beschämend.

Wenn diese Altersgruppen dann in den (auch öffentlich rechtlichen) Medien auch noch argumentativ gegeneinander ausgespielt werden, empfinde ich das als Menschen verachtend.

Aber es passt gut in eine Zeit, in der wir - dank der unterschiedlichsten Boulevard-Magazine auf fast allen Kanälen - täglich an den "Sorgen und Nöten" der "Schönen und Reichen" teilhaben dürfen (es ist aber auch wirklich dramatisch, wenn "Frau" sich ein Kleid für 8.000 € - in Worten achttausend - für eine Gala-Veranstaltung kauft und dort einer Trägerin des gleichen Kleides begegnet ...).

Wie vergleichsweise klein sind da doch die Alltagssorgen der breiten Masse der Bevölkerung.
Da geht es ja oft nur um 10 oder 15 €, die zum Kauf einer neuen Hose für das Kind fehlen, oder zur Begleichung der Stromrechnung. Diese kleinen Beträge lassen sich doch leicht beim Einkauf von Lebensmitteln wieder einsparen - oder?

Vielleicht sollten wir die Fußballstadien ja in der spielfreien Zeit (in Anlehnung an die römischen Gladiatorenkämpfe) für Kämpfe zwischen den Jungen und den Alten nutzen, zur Zerstreuung der Reichen und Schönen und Ruhigstellung derjenigen, die der einen Altersgruppe nicht mehr und der anderen noch nicht angehören ...

Die dabei entstehenden Kosten für die Wiederherstellung einer samstags wieder einwandfrei bespielbaren Rasenfläche ließen sich evtl. über eine Versteigerung von einmal getragener Premium-Garderobe decken. Über evtl. entstehende Überschüsse müsste dann noch einmal gesondert nachgedacht werden ...